„In Sachsen-Anhalt setzen sich seit 2008 Jugendhilfe, Schulen und Partner aus dem regionalen Umfeld gemeinsam dafür ein, dass alle Kinder und Jugendliche gleichen Zugang zu hochwertiger Grund- und Sekundarbildung erhalten. Ziel ist es, alle Schülerinnen und Schüler einzubeziehen und besonders diejenigen professionell aufzufangen, denen der vorzeitige Schulabbruch droht. Im August 2015 ist das durch den Europäischen-Sozialfonds und das Land Sachsen-Anhalt geförderte Programm in eine neue Förderperiode gestartet.“ [Vgl. https://www.schulerfolg-sichern.de/programm.html]

Entsprechend der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für das ESF-Programm „Schulerfolg sichern” sind im Landkreis Anhalt-Bitterfeld 26 Schulsozialarbeiter*innen und eine Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ tätig. Voraussetzung für die Antragstellung ist ein durch die Kooperationspartner aus der Schule und einem anerkannten Träger der Jugendhilfe gemeinsam erarbeitetes Konzept, das Voting des Jugendamtes des Landkreises und die fachliche Bewertung eines Gremiums auf Landesebene. Die Richtlinie finden Sie hier.

Ausgehend von dieser Vision einer inklusiven Bildungslandschaft im Landkreis Anhalt-Bitterfeld arbeitet die regionale Netzwerkstelle an Strukturen und Verfahren, um allen Kindern und Jugendlichen gleichen Zugang zu hochwertiger Grundschul-, Sekundarschul-, Berufsschul- und Gymnasialschulbildung zu ermöglichen sowie Schüler*innen einzubeziehen und besonders diejenigen professionell aufzufangen, denen der vorzeitige Schulabbruch droht. [vgl. Netzwerkstelle ABI]

„Nur im Zusammenspiel aller am Bildungs- und Ausbildungsprozess Beteiligten kann es gelingen, Kinder und Jugendliche für das Lernen und den schulischen Alltag zu begeistern“.
Motto der regionalen Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern!“ im Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Unter Schulsozialarbeit werden sämtliche Aktivitäten und Ansätze einer verbindlich vereinbarten, dauerhaften und gleichberechtigten Kooperation von Jugendhilfe und Schule - bzw. von Fachkräften der Jugendhilfe einerseits und Lehrkräften andererseits - verstanden werden, durch das sozialpädagogische Handeln am Ort sowie im Umfeld der Schule ermöglicht wird.

Schulsozialarbeit in diesem Sinne, ist definitionsgemäß einer Aufgabe der Jugendhilfe. Sie bringt jugendhilfespezifische Ziele, Tätigkeitsformen, Methoden und Herangehensweisen in die Schule ein, die auch bei einer Erweiterung des beruflichen Auftrages der Lehrer nicht durch die Schule allein realisiert werden können. Schulsozialarbeit ist also eine zusätzliche Ressource, die die pädagogische Qualität der Schule weiterentwickeln hilft und das Repertoire pädagogischer Arbeitsformen und Lernchancen erweitert. [Definition von Schulsozialarbeit von Olk/Bathke/Hartnuß (1996 und 2000)]

Merkmale von Schulsozialarbeit:


Schulsozialarbeit im ESF-Programm „Schulerfolg sichern“ wird als ein Angebot der ganzheitlichen Jugendhilfe im Rahmen von Schule verstanden. Sie verfolgt das Ziel, Schüler im Prozess des Erwachsenwerdens zu begleiten und bei einer für sie befriedigenden Lebensbewältigung zu unterstützen. Die individuellen Kompetenzen zur Lösung persönlicher und sozialer Probleme sollen gefördert werden.

Ebenso soll mit Hilfe von Schulsozialarbeit Kindern und Jugendlichen geholfen werden, die Grenzen sozialer Benachteiligung und individueller Beeinträchtigung zu überwinden, um ein aktives Mitglied innerhalb der Klassengemeinschaft und später der Gesellschaft zu werden.

Dabei steht ein ressourcen- und adressatenorientierter Ansatz im Mittelpunkt des sozialpädagogischen Handelns. Die Grundannahme dieser Sichtweise ist, dass Schüler die Experten ihrer Problemsituation sind und um ihre persönlichen Lösungsansätze wissen. Sie werden dabei aber nicht allein gelassen, sondern sollten Unterstützung bei der Suche nach Lösungswegen durch den Schulsozialarbeiter, Lehrer, Sozialpädagogen im Gemeinwesen und ihre Eltern erhalten.

Insofern beinhaltet das Verständnis von Schulsozialarbeit im Landkreis Anhalt - Bitterfeld sowohl eine aktive Elternarbeit als auch eine aktive Kooperation mit den Lehrkräften, um bedarfsorientiert und individuell zu arbeiten. Gleichzeitig organisiert Schulsozialarbeit ein kooperatives und vernetzendes Miteinander im Gemeinwesen und etabliert Schule als aktiven Partner im Sozialraum.

Schulsozialarbeit in Anhalt- Bitterfeld orientiert sich an den von Drilling aufgestellten Grundsätzen der Schulsozialarbeit. Die Grundsätze haben sich bei der täglichen Arbeit bewiesen und werden im Folgenden kurz beschrieben:

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Prävention

Bei der Präventionsarbeit kann zwischen primärer und sekundärer Prävention unterschieden werden. Während die erste Variante daran arbeitet, Störungen, als schulverweigerndes Verhalten von Beginn an auszuschließen, tritt sekundäre Prävention auf, wenn das Verhalten bereits eingetreten ist. Früherkennung und Frühbehandlung des Verhaltens sind Maßnahmen, die einer Verstetigung der Schulverweigerung entgegen wirken sollen. Dies kann aber nur gelingen, wenn Eltern, Schüler und Lehrer in die Arbeit einbezogen werden.

Ressourcenorientierung

Schulsozialarbeiter arbeiten mit den vorhandenen Stärken, Fähig- und Fertigkeiten der jungen Menschen. Sie unterstützen dadurch die individuelle Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstwertgefühl. Durch die Anerkennung ihrer individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden die Schüler gestärkt und ihr Selbstwertgefühl steigt.

Beziehungsarbeit

Der Aufbau einer Beziehung zum Schüler stellt die Grundlage für die Arbeit der Schulsozialarbeit dar. Die Beziehung sollte von Offenheit und Vertrauen geprägt sein, um Lösungsprozesse zu initiieren. Der Beziehungsaufbau setzt eine Präsenz und Ansprechbarkeit des Schulsozialarbeiters voraus. Daher sollten regelmäßig stattfindende Sprechstunden angeboten werden.

Prozessorientierung

Schulsozialarbeit unterstützt Schüler in schwierigen Lebenslagen und hilft ihnen bei der Suche nach individuellen Lösungswegen. Dies geschieht durch niederschwellige und prozessorientierte Beratungstätigkeit. Indem Kinder und Jugendliche aktiv am Lösungsprozess beteiligt werden, kann ihr Selbstwertgefühl und das Gefühl Verantwortung zu übernehmen gestärkt werden.

Methodenkompetenz

Die Methodenkompetenz bezieht sich auf die Kenntnis und Fähigkeit die Methoden sozialer Arbeit anwenden zu können. Dazu gehören Einzelfallhilfe, Gruppen-, Projekt-, und Gemeinwesenarbeit.

Systemorientierung

Bei der Arbeit mit den Schülern, muss der Schulsozialarbeiter die Person in den Bezug zum System Schule setzen. Das heißt, Schulsozialarbeit darf sich nicht ausschließlich auf das Individuum konzentrieren, sondern muss es im systemischen Kontext sehen. Daher ist es notwendig, dass sich die Schulsozialarbeit mit dem Umfeld und den Systemen Schule, Familie, Gesellschaft und PeerGroups auseinandersetzt.1


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Die Arbeit der Schulsozialarbeiter*innen richtet sich an dem von der Schule und Kooperationspartner, hier dem Jugendclub´83 e.V., erarbeiteten Konzept. Diese werden dialogisch mit Blick auf die individuellen Bedarfe der Schule weiterentwickelt. Bitte vergleichen Sie hier das in der Berufsbildende Schulen Anhalt-Bitterfeld - Standort Köthen vorliegende Konzept und den Meilensteinplan.

1 Vgl. Grundlagen und Umsetzungshilfen für die Schulsozialarbeit in der Volkshochschule. St. Gallen 2007, S. 3ff